Diesen Beruf kannst du doch nicht ernsthaft freiwillig ausüben?!

Diesen Beruf kannst du doch nicht ernsthaft freiwillig ausüben, das glaubst du ja selbst nicht.

Im Bekanntenkreis musst du schon ziemlich gut überlegen, ob du das offenlegen willst, es kommt ja geradezu einem Stigma gleich. Daß du auf diese Weise tatsächlich sein Einkommen bestreitest. In der Liste beliebter und angesehener Berufe landest du dauernd auf den letzten Plätzen, wenn nicht dem letzten.

Ständig musst du sich mit Leuten auseinandersetzen, mit denen du eigentlich nichts zu tun haben willst, die dir ständig den eigenen Willen und persönliche Wünsche aufdrücken wollen und die dabei nicht den geringsten Respekt vor Privatsphäre und Selbstbestimmung aufbringen. Aber was willst du machen – die bezahlen dich ja. Wenn auch nicht besonders gut.

Daß du nicht frei entscheiden kannst und an Bevormundung gebunden bist, komplettiert das Bild. Presse und Öffentlichkeit wissen immer alles besser, wollen reinreden und dir dauernd das Verhalten, das Mindset und dein Leben regulieren.

Pausenlos wirst du angefeindet, hinter den Kulissen laufen Intrigen und nur mit Glück kennst du Leute, auf die du dich wirklich verlassen kannst. Freunde machst du dir in der Branche wenige, aber viele Feinde, und längst nicht alle kennst du.

Kaum erträglich die Unsicherheit, ob und wie lange du noch davon leben kannst. Wenn du nicht konsequent tust, was von dir erwartet wird, bist du sofort raus und die Karriere gelaufen. Und wenn du dein Leben lang nichts anderes gemacht hast, kommst du auch nicht leicht wieder auf die Beine.

Und es ist ja auch nicht so, als wäre das wenig Arbeit. Sieben Tage die Woche bis spät in die Nacht sind völlig normal. Urlaub ist kaum unterzubringen, und wenn es ganz dumm läuft, sitzt nach deiner Rückkehr jemand anderes auf deinem Platz.

Nein, Spitzenpolitiker wäre keinesfalls ein Beruf für mich.